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Willkommen im Dschungel der Selbstverteidigungsmythen: Entdecke Deine Superkräfte

Geschrieben von Patrick | Feb 4, 2024 7:52:43 AM

Du bist das System: Selbstverteidigung zwischen Instinkt, Training und Systemen

Die Selbstverteidigungs- und Kampfsportwelt ist bunt.

Auf Seminaren und Social Media triffst du auf:

  • Karate- und Taekwondo-Meister mit Jahrzehnten auf der Matte

  • MMA-Fighter, die jeden Tag im Cage stehen

  • Krav Maga-Instruktoren mit Sicherheits-Background

  • Polizisten, Türsteher, Security-Trainer

  • YouTuber, Influencer, Blogger

  • und Trainerinnen und Trainer, die aus völlig anderen Berufen kommen

Viele von ihnen leisten großartige Arbeit.
Alle haben einen Blickwinkel auf dasselbe Thema: Wie kann ein Mensch sich schützen?

Genau da wird es spannend – und manchmal auch verwirrend.

Dieser Artikel ist kein Bashing von Kampfsport oder „Wir sind die Einzigen, die es verstanden haben“.
Es geht um etwas anderes:

  • Was ist gemeinsam?

  • Wo liegen Unterschiede?

  • Und warum ist der wichtigste Faktor am Ende immer: der Mensch selbst?

Worum es am Ende wirklich geht

Ob wir über Karate, Judo, Boxen, BJJ, Wing Tsun, Krav Maga oder Mixed Martial Arts sprechen:

  • Für manche geht es um Sport, Wettkampf, Gürtel, Leistung

  • Für andere um Tradition, Kultur, Kunst, Disziplin

  • Für wieder andere um Selbstschutz im Alltag

Im Bereich Selbstverteidigung – also wenn wir konkret über Übergriffe, Grenzverletzungen, Gewalt und Notwehr sprechen – geht es vor allem um drei Dinge:

  1. Unversehrtheit (körperlich und psychisch)

  2. Handlungsfähigkeit (trotz Stress und Angst)

  3. Nach Hause kommen

Hier sind sich alle ernstzunehmenden Trainer einig – egal, aus welchem System sie kommen.

Der wichtigste Faktor: Der Mensch – nicht das Logo

Bevor wir über Systeme sprechen, lohnt sich ein Blick auf das, was alle gemeinsam haben: den Menschen.

Jeder von uns bringt eine unglaubliche „Hardware“ mit:

  • Sinne, die Gefahr wahrnehmen können (sehen, hören, fühlen, riechen)

  • Nervensystem und Gehirn, die blitzschnell Muster erkennen

  • Muskulatur und Knochen, die Kraft, Geschwindigkeit und Beweglichkeit ermöglichen

  • Stressreaktionen, die seit der Steinzeit auf „Gefahr“ programmiert sind (Fight, Flight, Freeze)

Mit anderen Worten:

Du bist nicht leer, bevor du in eine Kampfkunstschule gehst – du bist schon ein ziemlich beeindruckendes System.

Die Frage ist nicht:
„Welches System macht mich zum Superhelden?“

Sondern eher:

  • „Wie gut verstehe ich das System Mensch?“

  • „Wie gut kann ein Training meine natürlichen Fähigkeiten unterstützen, sortieren und abrufbar machen?“

Geschichten aus der Realität: Wenn Menschen „einfach“ handeln

Viele reale Fälle von Selbstverteidigung zeigen genau das:

  • Menschen, die sich gegen Angreifer wehren – ohne je eine Matte von innen gesehen zu haben

  • Joggerinnen, die sich losreißen und fliehen

  • Eltern, die in einer Stresssituation ihr Kind schützen

  • Kinder, die laut werden, weglaufen, Hilfe holen

Sie alle hatten:

  • keine „perfekte Technik“

  • keine zehn Jahre Kampfkunst

  • aber einen klaren Überlebenswillen, Instinkt und den Reflex: Ich will hier raus.

Das heißt nicht, dass Training überflüssig wäre.
Es zeigt nur:

Der Kern von Selbstverteidigung ist älter als jedes System.
Systeme sind Werkzeuge – nicht die Quelle.

Mythos 1: „Nur wer jahrelang trainiert, kann sich verteidigen“

Hier lohnt Differenzierung:

  • Für Sport und Wettkampf (Kickboxen, MMA, Judo etc.)
    – klar, du brauchst viel Training, um leistungsfähig zu werden.

  • Für Selbstverteidigung im Alltag
    – brauchst du vor allem Strategien, Prinzipien und ein paar wenige, einfache Werkzeuge.

Ein 10-jähriges Kind, das gelernt hat:

  • Abstand zu halten

  • laut und klar „NEIN“ zu sagen

  • wegzulaufen und Hilfe zu holen

ist im Alltag oft besser geschützt als ein Erwachsener mit schönster Technik – aber null Bewusstsein und null Klarheit.

Gleichzeitig gilt:

  • Menschen, die Kampfsport machen, bringen oft Körperspannung, Timing, Distanzgefühl mit – großartige Basis für Selbstschutz.

  • Krav Maga und andere Selbstverteidigungssysteme können diese Fähigkeiten auf Alltagssituationen übertragen, statt nur auf den Ring oder die Matte.

Es ist kein „entweder – oder“, sondern eher:

Kampfsport baut Fähigkeiten auf – Selbstverteidigung richtet sie auf reale Szenarien aus.

Mythos 2: „Du brauchst perfekte Technik“

In vielen Kampfkünsten ist Technik zentral – zurecht:

  • Saubere Ausführung schützt vor Verletzungen

  • Technik ist Grundlage für Effizienz

  • Im Sport entscheidet sie über Sieg oder Niederlage

In echter Gewalt sieht es oft anders aus:

  • wenig Platz

  • schlechte Sicht

  • Überraschungsmoment

  • Adrenalin, Tunnelblick, Herzrasen

  • Stolpern, Fallen, Ringen

Dort zählt vor allem:

  • Frühes Erkennen („Hier stimmt etwas nicht.“)

  • Einfache, robuste Bewegungen, die auch unter Stress funktionieren

  • Entschluss, überhaupt zu handeln (oder bewusst zu fliehen)

Perfekte Technik ist großartig – aber:

In der Selbstverteidigung ist „gut genug unter Stress“ oft wertvoller als „perfekt im Dojo“.

Hier können wir voneinander lernen:

  • Kampfsport bringt Präzision, Körperkontrolle, Timing

  • Selbstverteidigungssysteme bringen Stressdrills, Szenarientraining, Deeskalation und rechtliche Einordnung

Mythos 3: „Es gibt DAS ultimative System und DEN Meister“

Jede Szene hat ihre „Heiligen“:

  • Großmeister X

  • System Y

  • „Das Original“

  • „Die einzig wahre Linie“

Aus Marketingsicht verständlich.
Aus professioneller Sicht schwierig.

Wenn wir ehrlich sind:

  • Jedes System ist ein Versuch, Prinzipien in ein Trainingsformat zu gießen

  • Jede Trainerin und jeder Trainer bringt eigene Erfahrungen, Stärken und blinde Flecken mit

  • Niemand „besitzt“ Selbstverteidigung – wir alle bemühen uns, Menschen sicherer zu machen

Statt „Unser System ist das beste“ braucht es mehr:

  • Transparenz: Was trainieren wir? Wofür ist es gut? Wofür eher nicht?

  • Respekt: Kampfsport ist kein „falscher Weg“, sondern ein anderer Fokus.

  • Kooperation: Wir können von Boxern, Judoka, Wrestlern, BJJlern, Karateka, Combat-Trainern und Polizisten enorm profitieren – wenn wir zuhören.

Warum du trotzdem einen Trainer brauchst – auch im Krav Maga

Wenn der Mensch das eigentliche „System“ ist – wozu dann Trainer, Schulen, Seminare?

Weil gute Trainer Folgendes liefern können:

1. Struktur statt Chaos

  • Sie helfen, natürliche Instinkte zielgerichtet zu nutzen

  • Sie ordnen: Was ist sinnvoll, was ist gefährlich, was ist juristisch problematisch?

  • Sie reduzieren Selbstverteidigung auf wenige, einfache Prinzipien, die wiederholbar sind

2. Realitäts-Check

  • Training erlaubt dir, Stress kontrolliert zu erleben

  • Du spürst: Wie reagiere ich, wenn jemand laut wird, greift, schubst, packt?

  • Du bekommst Rückmeldung: Was klappt, was bricht weg?

3. Szenarien statt nur Technik

Gutes Selbstverteidigungstraining (egal aus welchem System) enthält:

  • Vorfeld (präventives Verhalten, Körpersprache, Grenzen)

  • Vermeidung und Deeskalation

  • einfache, robuste körperliche Optionen

  • Flucht, Hilfe holen, Nachsorge

Hier liegt aus unserer Sicht die Stärke von Krav Maga:

  • Fokus auf einfach, schnell lernbar, alltagstauglich

  • kein Wettkampffokus, sondern Schutz von Menschen

  • Training von Szenarien, nicht nur isolierten Techniken

4. Ergänzung statt Ersatz

Ein BJJ- oder Judo-Blackbelt hat auf dem Boden Fähigkeiten, von denen viele Krav-Maga-Leute träumen.
Ein Boxer hat Timing und Schlagkraft, die in Sekunden entscheiden können.
Ein Polizist bringt Erfahrung mit, wie Konflikte eskalieren – und wie man sie begrenzt.

Krav Maga kann hier andocken und sagen:

„Lass uns schauen, wie du das, was du kannst, im Alltag einsetzen kannst – mit Blick auf Recht, Umfeld und Stress.“

Nicht besser. Nicht schlechter.
Ein anderer Blickwinkel.

Die Quintessenz vor jedem Einstieg ins Selbstverteidigungstraining

Bevor du das nächste System buchst oder das zehnte Erklär-Video anschaust, lohnt es sich, fünf Punkte mitzunehmen:

  1. Du bist das Geheimnis
    Dein Körper, dein Geist, deine Biografie – nicht das Logo auf dem T-Shirt – sind entscheidend.

  2. Selbstverteidigung ist eine natürliche Fähigkeit
    Der Mensch hat seit Millionen Jahren überlebt, bevor irgendjemand „Stil XY“ auf ein Schild geschrieben hat.

  3. Training muss nicht kompliziert sein
    Für Alltagsselbstschutz reichen oft wenige, gut trainierte Grundprinzipien – keine 500 Techniken.

  4. Perfektion ist kein Ziel, Funktion schon
    Entscheidend ist, was du unter Stress abrufen kannst, nicht was im Lehrbuch am schönsten aussieht.

  5. Trainer und Systeme sind Werkzeuge, keine Religion
    Ein guter Coach hilft dir, das Beste aus dem System „Mensch“ herauszuholen – ohne andere schlechtmachen zu müssen.

Und jetzt?

Wenn du Trainer bist – egal ob Karate, MMA, Judo, Boxen, Krav Maga oder etwas ganz anderes – dann sitzen wir im selben Boot:
Wir wollen Menschen sicherer, klarer und handlungsfähiger machen.

Wenn du Teilnehmer bist und dich fragst, wo du anfangen sollst:

  • Schau dir an, wie trainiert wird, nicht nur, was auf dem Schild steht

  • Hör auf dein Gefühl: Fühlst du dich ernst genommen, sicher, gesehen?

  • Frag nach:

    • „Wie realitätsnah sind eure Szenarien?“

    • „Wie geht ihr mit Stress, Angst und Adrenalin um?“

    • „Wo sind die Grenzen eures Systems?“

Bei Fit and Fight 38 arbeiten wir im Bereich Krav Maga und Selbstschutz genau an dieser Schnittstelle:

  • Respekt vor Kampfsport und anderen Systemen

  • Fokus auf Alltag, Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene

  • Klarer Blick: Der wichtigste Faktor bist du – wir liefern Rahmen, Stress, Struktur und Erfahrung.

Am Ende gilt:

Systeme können sich widersprechen –
aber darin, dass Menschen Schutz verdienen, sind wir uns alle einig.

Wenn du Lust hast, genau das praktisch zu erleben, dann komm vorbei, tausch dich mit uns aus – gern auch als Trainer eines anderen Systems.
Selbstverteidigung beginnt selten mit einer perfekten Technik. Meist beginnt sie mit einem ehrlichen Gespräch.